Dramatische globale Wasserprobleme
Der tägliche Wasserverbrauch
Der tägliche Wasserverbrauch der Haushalte ist weltweit sehr unterschiedlich. Ist er in einem Industrieland wie beispielsweise in Australien mit 282 Litern sehr hoch, so liegt er in einer ärmeren Region wie z.B. in Äthiopien, in der Wasser nach Hause getragen oder teuer gekauft werden muss, bei nur 13 Litern. |
Zu der privat verbrauchten Wassermenge zählt in Industrieländern auch das Wasser zum Autowaschen, zur Bewässerung von Gärten und Parks und Wasser für Pools. In Nichtindustrieländern wird auch das Wasser für die Landwirtschaft eingerechnet. Schätzungsweise verbraucht ein Haushalt in Industrieländern zwischen 150 – 800 Liter täglich. |
Hinweis zu aktuellen Thema auch in Deutschland
Was sind Legionellen, Uran, Pestizide bzw. andere Schadstoffe und was bedeutet dies für Verbraucher im Wasser
Legionellen
Legionellen stellen eine weltweit verbreitete Bakteriengattung dar, die sowohl im Süß- als auch im Salzwasser angetroffen werden kann. Dort lebt das Bakterium überwiegend in Wirtsorganismen, wozu Amöben, Ciliaten und auch einige Algenarten gehören. Werden im Freiland bis zu 10 Bakterien pro Liter gefunden, können in Warmwassersystemen bis zu einer Million Bakterien pro Liter nachgewiesen werden. Ursache hierfür sind zum einen die erhöhten Wassertemperaturen und zum anderen der zum Bakterienwachstum notwendige Sauerstoff und Nährstoffe. Namensgebend für die durch Legionella pneumophila ausgelöste Legionärskrankheit war die tödlich verlaufende Infektion von 34 Menschen auf der Jahrestagung der „American Legion“ 1972 in Philadelphia USA. Die Infektion erfolgte über die Klimaanlage, ein System, in dem warmes Wasser während der Kühlung mit Sauerstoff angereichert wurde. Legionellen stellen demnach einen Zivilisationsbegleiter dar, welcher erst mit der Errichtung offener Warmwasser- oder Kühlsysteme zur relevanten Gesundheitsgefahr avancierte.
Infektionswege
Die größte Wahrscheinlichkeit zum Kontakt mit Legionellen, besteht in technischen Berufen, die mit wasserführender Systeme in enger Verbindung stehen.
Die Aerosole entstehen durch eine mechanische Beanspruchung des Wassers, wie sie bei der Verrieselung in Kühlaggregaten oder in Duschanlagen entstehen.
Je feiner die Aerosole sind, desto leichter vermögen sie die Legionellen in die Lunge zu befördern. Die Kontamination über Aerosole stellt damit die häufigste Ursache da.
Je mehr Legionellen in einem Wasser bzw. Aerosol vorkommen - je größer die Menge des aufgenommenen Aerosols ist um so größer ist das Gefährdungspotential.
Statistisch stellt sich hiernach das höchste Risiko zum Ausbruch der Legionärskrankheit für das Betriebs- und Wartungspersonal offener warmwasserführender Systeme dar,
welche dem unmittelbaren Aerosolkontakt ausgesetzt sind und einer gesundheitlich gefährdeten Risikogruppe angehören.
Aus der Erkenntnis heraus, dass Aerosole auch über weitere Strecken getragen werden, ist das Infektionsrisiko durch offene Kühlwassersysteme bisher völlig falsch eingeschätzt worden.
Mit fatalen Folgen:
(Wir stellen hier nur zwei Ereignisse vor)
1999 Niederlande/Stede-Broec 28 Tote / 230 Infizierte
2010 Deutschland/Ulm 5 Tote / 64 Infizierte
Uran im Leitungswasser
Leitungswasser enthält in Deutschland zum Teil zu viel Uran. Vielfach liegen die Messwerte höher als zwei Mikrogramm Uran pro Liter.
Für das Wasser aus der Leitung gibt es bisher keinen Grenzwert! Deshalb kann Leitungswasser für Babys und Kleinkinder gefährlich werden. Das Wasser ist in 13 deutschen Städten zu stark mit Uran belastet. Laut einer Studie des Instituts für Pflanzenernährung und Bodenkunde liegt der Urangehalt unter anderem in Darmstadt, Kassel und Frankfurt am Main über zwei Mikrogramm pro Liter. Das ist der gesetzlich vorgeschriebene Höchstwert für Mineralwasser, das für Säuglinge geeignet ist. Am höchsten waren die Uranwerte im oberfränkischen Kulmbach. Dort wurden über acht Mikrogramm gemessen.
Rund 400 Wasserproben ausgewertet
Im Spätsommer 2006 hatte die ehemalige Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig Wasser in ganz Deutschland untersucht - insgesamt 394 Proben. Den höchsten Gehalt - acht Mikrogramm Uran - maßen die Forscher in den Orten Gunzenhausen und Kulmbach in Bayern. Erst jetzt hat der Leiter der Studie Professor Ewald Schnug die Ergebnisse an die Verbraucherorganisation Foodwatch weitergegeben.
Uran wird nicht herausgefiltert
"Man kann davon ausgehen, dass die Werte noch immer so hoch sind, weil sich der Urangehalt im Grundwasser kaum ändert", sagt Andreas Eickelkamp, Sprecher von Foodwatch. Uran kommt in der Erde vor. Indem Grundwasser durch uranhaltiges Gestein fließt, nimmt es Bestandteile des Metalls auf. Uran ist also nicht durch Umweltverschmutzung in das Wasser gelangt. Die Wasserwerke filtern das Schwermetall nicht aus dem Wasser heraus, sodass auch Leitungswasser Uran enthält.
Uran ist so giftig wie Blei
Uran hat eine ähnlich hohe Giftigkeit wie Blei. Es kann die Niere, Leber und Knochen schädigen. Säuglinge und Kleinkinder reagieren besonders empfindlich auf das Schwermetall. Deshalb wurde vor drei Jahren der Grenzwert für Uran in Mineralwasser, das für Säuglingsnahrung geeignet ist, gesetzlich vorgeschrieben: Mehr als zwei Mikrogramm Uran pro Liter darf ein derartiges Wasser nicht mehr enthalten. Eltern von Babys und Kindern unter sieben Jahren sollten darauf achten, dass ihr Kind nur Wasser trinkt, das den Hinweis enthält: "Geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung".
Pestizide
Ab 2015 neue Grenzwerte für Pestizide im Wasser
Europäische Union legt Richtlinienentwurf vor
Ab 2015 sollen neue Grenzwerte für Pestizide in Flüssen, Seen und Küstengewässern gelten. Das sieht ein Vorschlag einer EU-Richtlinie über Umweltqualitätsnormen im Bereich der Wasserpolitik vor, den die EU-Kommission im Juli vorgelegt hat. Danach sollen für 41 Arten von Pestiziden, Schwermetallen und anderen gefährlichen chemischen Stoffen niedrigere Grenzwerte gelten. Ab 2025 dürfen überhaupt keine als besonders gefährlich eingestuften Stoffe mehr in Oberflächengewässer geleitet werden. Mit der neuen Richtlinie soll die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) abgeschlossen werden. Der Vorschlag muss noch vom Rat und vom Europäischen Parlament gebilligt werden, bevor die Richtlinie in Kraft treten kann
Künstliche Süßstoffe trotzen Kläranlagen
Neues Analyseverfahren identifiziert Substanzen im Abwasser und Oberflächenwasser
Synthetische Süßstoffe werden in den Kläranlagen nicht rückstandslos entfernt. Schlimmer noch: unser Wasser wird durch diese Schadstoffe verunreinigt und Rückstände können noch im Trinkwasser enthalten sein. Dies haben jetzt Karlsruher Forscher in einer neuen Studie gezeigt.
Durch die Verwendung eines neuen Analyseverfahrens konnten die Wissenschaftler vom Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe nach sieben unterschiedlichen synthetischen Süßstoffen gleichzeitig suchen (Cyclamat, Acesulfam, Saccharin, Aspartam, Neotam, Neohesperidin-Dihydrochalkon und Sucralose). Marco Scheurer, Heinz-Jürgen Brauch und Frank Thomas Lange wiesen mithilfe der neuen Methode zum ersten Mal nach, dass eine Vielzahl von häufig verwendeten synthetischen Süßstoffen im deutschen Abwasser und Oberflächenwasser enthalten ist.
Scheurer und seine Kollegen nahmen Wasserproben aus zwei Kläranlagen in Deutschland – Eggenstein-Leopoldshafen und Karlsruhe – sowie aus einer Aufbereitungsanlage für gereinigtes Abwasser eines Mittelmeerlandes.
Abwasserbehandlung unzureichend
Von sieben untersuchten Süßstoffen waren die vier Stoffe Acesulfam, Cyclamat, Saccharin und Sucralose in allen untersuchten Abwasser- und in Oberflächenwasserproben nachweisbar. Die Kläranlagenzuläufe enthalten einzelne Süßstoffe in Konzentrationen von mehreren zehn µg/L bis zu 190 µg/L für Cyclamat. Während Cyclamat und Saccharin in den untersuchten Kläranlagen zu über 94% eliminiert werden, werden Acesulfam und Sucralose überwiegend nicht entfernt.
Acesulfam kommt von allen Süßstoffen in den höchsten Konzentrationen in den Kläranlagenabläufen und in den untersuchten Oberflächengewässern (Rhein, Main, Donau, Neckar, bis zu 2,7 µg/L) vor.
Dadurch wird belegt, dass die Schadstoffe während der Abwasserbehandlung nur unzureichend eliminiert werden. Durch ihre Analysen lässt sich auch nachweisen, dass Bäche und Flüsse, in die Wasser aus den Kläranlagen fließt, mit diesen Schadstoffen verunreinigt werden.
Scheurer kommt zu dem Schluss: „Die Verwendung von synthetischen Süßstoffen in Nahrungsmitteln und ihr Vorkommen im Wasser können zu einem zentralen Thema für die Verbraucher werden.“